Und wieder packt mich die spontane freitägliche Berlin-Flucht- und Radellust. Doch wohin soll es gehen, wenn nicht das ganze Wochenende draufgehen soll und man sich Urlaubstage noch für eine längere Auszeit aufbehalten möchte? Der Reiz einfach mal spontan in ein anderes Land zu radeln ist vorhanden. Also schaute ich auf der Karte – was ist noch innerhalb eines Wochenendes von Berlin aus erreichbar?  Da stach mir das polnische Stettin ins Auge. Nicht nur, dass Berlin und Stettin sich reimen, nein, die polnische Hafenstadt zieht auch mein Interesse auf sich, da ich kaum etwas über sie weiß. Zwar steht eher die Radelroute an sich im Vordergrund, es ist aber schon immer interessant wie man von einer Stadt empfangen wird und ein neues, noch unbekanntes spannendes Ziel vor Augen zu haben.

Radfernweg Berlin – Stettin: Ein Wochenendtrip

Also so einen „fertigen“ Radweg gibt es von Berlin nach Stettin gar nicht. Daher gilt es sich die Route selbst zusammenzustellen. Dieses Mal ging es tatsächlich direkt vor der Haustür in Berlin aus los, auf in Richtung Nord-Osten. Das Stückchen in Berlin ist gar nicht schlecht, da es viel durch den eher ruhigeren Bezirk Pankow geht. Leider verläuft der Weg dann ein längeres Stück über Landstraßen mit mal mehr und mal ganz wenig Platz am Rand für Zweiräder. Wahrscheinlich hätte man noch Nebenrouten wählen können, um dem zu entgehen, jedoch weiß ich nicht wie gut befahrbar diese Wege dann sind. Zum Ende des Weges wird die Radtour schöner, immer entlang der Märkischen Eiszeitstraße. Später führt der Weg am Niederoderbruch vorbei, auf einem Deich entlang und dann noch mitten durch einen idyllischen, märchenhaften Wald. Hier befindest du dich dann schon auf dem Oder-Neiße-Radweg. Stettin selbst ist semi-fahrradfreundlich. Es gibt sicherlich Verbesserungsbedarf, aber die Stadt bietet einige Radwege. Allem in allem eine schöne Wochenend-Route, um weite Brandenburger Landschaften zu genießen, sich mal auszupowern und eine polnische Stadt kennenzulernen. Und das ganze ohne lange am Flughafen zu stehen und auf das Reiseziel „hinzuarbeiten“. Hier beginnt die Reise direkt vor der Haustür.

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Oderberg

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Schwedt / Oder

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Stolpe

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Die Fahrradroute von Berlin nach Stettin

Route Radweg Berlin Stettin

Tag 1: Start in Berlin – Panketal – Bernau – Rüdnitz– Biesenthal – Melchow – Eberswalde

Tag 2: Liepe – Lupow Stolzenhagen Schwedt / Oder – Gartz (Oder)– Kolbaskowo – Przeclaw– Stettin

Entfernung Berlin – Stettin mit dem Fahrrad

Es waren ungefähr 160km – über Landstraßen, Radwege, durch kleine Orte, auf einem Deich entlang und letztlich in Stettin. Ich fuhr an einem Freitag Abend halb acht los, radelte bis nachts halb eins. Gut, das ist wohl nur im Sommer möglich, bzw. wenn die Temperaturen es hermachen. Du kannst aber auch – das ist die noch entspanntere Variante – gemütlich mit der Bahn nach Eberswalde fahren und dort schon bald direkt auf den Oder-Neiße-Radweg gelangen. Dann brauchst du dir um einen Schlafplatz auch keine Gedanken machen. Und wenn doch…

…wo schlafen?

Möglichkeiten auf dem Weg zu wild zu zelten hast du viele. Es gibt einige ruhige Ecken an Feldern und Lichtungen gelegen. Und in Brandenburg ist eine Nacht Zelt aufschlagen erlaubt. Aber auch offizielle Zeltplätze oder Ferienwohnungen liegen auf dem Weg. Ich hatte ein schönes Plätzchen direkt am Kanal nahe eines liegenden Baumstamms, der sich wunderbar als Frühstückstisch eignete. Apropos: In den größeren Ortschaften gibt es so gut wie immer Supermärkte, wo du deinen Getränke- und Essensvorrat wieder auffüllen kannst. Wenn du wie ich im August fährst, liegen, bzw. hängen, einige kulinarische Köstlichkeiten auch direkt am Wegesrand: Zwetschgen, Äpfel, Brombeeren – es lohnt es sich mal abzusteigen.

Angekommen in Stettin: Tipps

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Stettin – ich war positiv überrascht von dir! Bisher habe ich – bis auf die Philharmonie – wenig bis gar nichts über die Stadt gehört. Außer noch, dass meine Mutter als 18jährige gleich die Gelegenheit nutzte etwas Freiheit zu schnuppern und in den Zug von Berlin nach Stettin stieg, um die polnischen Märkte zu erkunden. Und dass dann bald, weiter in Richtung Norden, irgendwann das Meer kommt. Davor kommt jedoch erst einmal noch das Stettiner Haff. Bis dahin hab ich es dieses Mal aber leider nicht geschafft.

Noch einmal etwas zurückgespult: Ein Stück hinter der deutschen Grenze wird es langsam wieder städtisch, mich begrüßte erst einmal das riesige Warenlager von Amazon (überdimensional). Davon hörte ich im Zusammenhang mit den schlechten Arbeitsbedingungen bei dem Online-Giganten, aber nun: Themenfokus!

Stettin ist höchst treffend, um dort einen schönen Abend nach der Radtour von Berlin aus zu verbringen. Zu Fuß oder auch mit dem Rad sind die Sehenswürdigkeiten gut zu erkunden. Die Stadt am Oderhafen empfing mich mit schönen Gründerzeit- und Jugendstilhäusern, einer gewissen Lebendigkeit, glitzerndem Wasser und leckerem Bier. Viele Kreisverkehre musst du umrunden (so ist das, wenn man sich als Städteplaner Paris zum Vorbild nimmt), um dich durch die Stadt zu bewegen. Ab und zu kreuzt eine alte Berliner Straßenbahn auch deinen Weg.

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Stettiner Schloss

Bei einer kleinen Rundfahrt sah ich noch das Stettiner Schloss, die Philharmonie – berühmt berüchtigt als das beste Bauwerk 2014 – und wie die Jugend Polens sich am Hafen zudröhnt vergnügt. Suchst du ein ruhigeres Plätzchen mit einer entzückenden Atmosphäre? Begib dich in die Altstadt Stettins. Da fast alles im Krieg zerstört und dann wieder aufgebaut wurde, wird sie „Nowe Stare Miasto“, die „Neue Altstadt“, genannt. Es ist hübsch hier, mit Lichterketten in den großen Bäumen und vielen Restaurants, entsteht ein angenehmes Ambiente vor den schönen Häuserfassaden. Magst du es etwas wilder, dann geh in die Straße Księcia Boguslawa – hier findest du neben typisch polnischer Küche, allerlei internationale Küche sowie Bars und auch den ein oder anderen Nachtclub. Langweilen musst du dich in jedenfalls Stettin nicht.

Rückfahrt von Stettin nach Berlin

Ich nehme an, du möchtest den Weg nicht auf zwei Rädern zurücklegen? Es sei denn, du bist eingefleischter Rennradfahrer. und du möchtest noch mehr Kilometer machen. Nun, ich gehe mal nicht davon aus.

Ob mit Bahn oder Bus – du kommst entspannt in circa zweieinhalb Stunden wieder zurück nach Berlin. Der Preis dreht sich beide mal um die 20 € (inklusive Fahrradmitnahme). Mein Fernbus fuhr Samstag Nacht um 2 Uhr – und er war voll. Warum? Weil die Stettiner zum Flughafen Berlin-Tegel fahren, ja, der ist näher als der in Warschau, da fährt man dann eben nach Deutschland, um in den Flieger zu steigen. Verglichen mit einer Reise nach Schönefeld wirkt das dann auch gar nicht mehr so komisch.

  • Bus: ab ca. 2:15 Std., Ticket ca. 13€, Fahrradmitnahme 9€
  • Bahn: ab ca. 1:53 Std. (Berlin-Lichtenberg), Fahrradmitnahme 9€

Oder-Neiße-Radweg

Hast du auch vor diese kleine Radreise anzutreten? Oder es schon getan und etwas Schönes oder Informatives zu teilen? Dann hinterlass mir gern einen Kommentar.

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