Für mich als Hauptstadtkind stand das Meer symbolisch schon immer für Ausgleich. Ein Teil meiner Familie stammt von Rügen, der größten Insel Deutschlands, gelegen an der Ostsee. In den Sommermonaten fuhren wir besonders oft hoch. Da es schon sehr früh losging und ich meist schon zu Beginn der Autofahrt einschlief und erst spät wieder aufwachte, dachte ich oft, das Meer liege sehr nah. Von Berlin-Prenzlauer Berg aus um eine Litfaßsäule um die Ecke herumgefahren und schon waren wir am Damm, der nach Rügen führt. Irgendwann fand ich heraus, dass es etwas länger dauerte, um auf die Insel zu gelangen. Aber lange Autofahrten gehörten irgendwie auch dazu. Irgendwann kamen wir an und dann ging es bald an den Strand, Schuhe aus und direkt ins Wasser zu den Wellen. Hier kommt der Ausgleich. Ich fühle mich frei im Wasser, nicht mehr beengt wie in der Stadt. Als Kind genoss ich die Vorteile des Meeres einfach, ohne viel darüber nachzudenken.

Meer als Ausgleich zur Stadt

Heute sehe ich den Ausgleich zur Stadt ganz deutlich und bewusst, deswegen tausche ich den Fernsehturm immer noch gern gegen einen Leuchtturm ein. Zwar gibt es in Berlin über 70 Inseln und auch viele Gewässer, aber häufig kann man nicht sehr weit schauen. Am Meer jedoch genießt man Weitsicht – bis zum Horizont blicken und die Augen entspannen. Das tut einfach gut. Darüber hinaus atmet die Lunge frischere Luft und erholt sich etwas von den Abgasen der Stadt. Gerade im Kontrast zur Stadt entfaltet sich die Kraft des Meeres. Am Meer zu leben ist für viele ein Traum, doch oft hört man, dass es auch an Besonderheit verliert, wenn man es täglich sieht. Man gewöhnt sich daran, der Kontrast wird schwächer.

Über 2 Millionen Ergebnisse zeigt der Hashtag #meer auf Instagram

Aus der Ferne schwärmen wir noch mehr von der See. Wir träumen uns oft dorthin. Das klingt womöglich sehr idealisiert und romantisiert, aber auch genau das ist das Meer: Ein Ort, den wir idealisieren und der uns Hoffnung gibt, Wellen, die sich im Takt bewegen, losgelöst vom Alltag und Problemen, die uns umgeben. Über zwei Millionen Ergebnisse zeigt der Hashtag #meer auf Instagram, der Hashtag #stadt wird nur gut ein Viertel so häufig gebraucht. Wir nutzen das Meer als perfektes Motiv für unsere Urlaubsfotos, halten Sonnenuntergänge fest und zeigen es gern in all seinen Facetten. Vom kühlen, dunkelblauen schon fast düsteren Wasser bis hin zur tropischen, türkis leuchtenden See. Meer geht immer.

Wenn ich in Berlin die Möwen an der Spree schreien höre und ein Windzug mich streift, denke ich ans Meer. Dann verbringe ich auch heute noch gerne die paar Stunden auf der Autobahn oder in der Bahn, um das Meer mal wieder zu besuchen. Ein ideeller und doch realer Ort, der genesen lässt.

All diese verträumten Gedanken blenden natürlich aus, dass wir das Meer leider nicht so gut behandeln wie wir sollten.

Mit diesem Text möchte ich an der Blogparade „Was bedeutet das Meer für mich?“ | #DHMMeer teilnehmen. Als ich den Aufruf sah, musste ich direkt ein paar Meer-Gedanken niederschreiben. Was bedeutet Meer für dich?

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